29. August 2019

Chronik-Projekt „keine-randnotiz.de“ zur Dokumentation rechter Gewalt im Land Bremen gestartet

Ziel des Projektes ist es rechte Gewalt im Land Bremen sichtbar zu machen und für das Thema zu Sensibilisieren. Unter keine-randnotiz.de können Fälle gemeldet und Unterstützung angefragt werden. keine-randnotiz.de  ist ein unabhängiges Dokumentations- und Webprojekt der Betroffenenberatungsstelle soliport und der Mobilen Beratung pro aktiv gegen rechts. Der Anspruch ist es, rechte Gewalt und Aktivitäten in Bremen, Bremerhaven und Umgebung möglichst aktuell und umfassend zu recherchieren, zu dokumentieren und geografisch zu verorten. Die Dokumentation, zu der auch viele ehrenamtlich arbeitende Initiativen und Projekte mit Daten beitragen, bildet trotz aller Bemühungen nur einen Teil der Vorfälle ab, die Dunkelziffer bei rechter Gewalt ist hoch. Ziel ist es so, rechte Gewalt im Land Bremen sichtbar zu machen und aus ihrer randständigen Position in der öffentlichen Wahrnehmung zu holen.

Hinschauen statt Wegschauen – rechte Gewalt geht uns alle an!

Die Einordnung der dokumentierten Ereignisse in relevante Kategorien sowie die Markierungen auf einer Karte sollen helfen, Strukturen und ggf. lokale Schwerpunkte rechter Gewalt in Bremen, Bremerhaven und Umgebung erkennbar zu machen. Neben der Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist die Solidarität mit den Betroffenen ein wesentlicher Aspekt unserer Arbeit. Rechte Gewalt ist aus ihrer Motivation und Grundhaltung heraus nicht nur ein Angriff auf Einzelne, sondern auf die Idee einer offenen Gesellschaft. Deshalb sollten wir Betroffene damit nicht alleine lassen.

Was ist rechte Gewalt?

Rechte Gewalt hat viele Facetten und ist auch in Bremen und Bremerhaven allgegenwärtig. Als Gewalt im weiteren Sinne zählen nicht nur körperliche Angriffe, die die offensichtlichste Form der Menschenverachtung darstellen. Auch Beleidigungen, Bedrohungen, alltägliche Anfeindungen auf der Straße oder im Internet sowie Sachbeschädigungen und andere rechte Aktivitäten sind Bestandteile rechter Gewalt, da sie für Betroffene eine Form psychischer Gewalt bedeuten und daneben rechte Angriffe unmittelbar oder mittelbar bedingen. Wenn wir wirklich etwas gegen rechte Gewalt tun wollen, dann müssen wir alle Aspekte miteinbeziehen und in einer breiten Öffentlichkeit thematisieren.

Rechtsmotivierte Gewalt folgt aus rechten und autoritären Einstellungen, in denen bestimmte gesellschaftliche Gruppen als anders und nicht dazugehörig wahrgenommen und daher abgewertet und abgelehnt werden. Zu diesen Gruppen zählen jüdische und muslimische Menschen, Schwarze Menschen, Migrant*innen, Geflüchtete, Menschen mit Behinderung, Lesben und Schwule, Transgender-Personen, Punks, linke Jugendliche, Obdachlose, Menschen die sich gegen Rechts engagieren und weitere Personen-Gruppen sowie Menschen, die von den Täter*innen einer oder mehrerer dieser Gruppen zugeordnet werden. Für das Vorliegen rechter Gewalt ist es unerheblich, ob sich die Täter*innen selbst dem rechten Spektrum zuordnen oder nicht. Denn viele Einstellungen, die zu rechter Gewalt führen können, sind in der gesamten Gesellschaft verbreitet.

Den Link zum Projekt finden Sie hier

 

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