1. Oktober 2021

Walk am Rhein

Via Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im RB Köln

Die in der extrem Rechten gängigen Er­zählungen zu den Rheinwiesenlagern, die einen deutschen Opfermythos bedienen (s. dazu z.B. hier), erlebten dieses Jahr einen neuen Ausdruck. Unter dem Aktionsnamen „Walk am Rhein“ bewarb der US-amerikanische Verschwörungsideologe William Toel eine hauptsächlich online stattfindende bundesweite Gedenkaktion. Toel ist auch inner­halb der verschwörungsideologischen und esoterischen Szene zwischen QAnon-Gläubigen, Reichsbürger*innen und Corona­leugner*innen umstritten. Er behauptet von sich selbst, er sei „nicht menschlicher Natur“ und geboren, um „die Deutschen zu vereinen und sie dazu zu bringen, wieder als Deutsche zu denken“. Er rief dazu auf, zwischen dem 28. August und dem 5. September an den Rhein zu kommen, Gedenkakte abzuhalten und an­schließend – „bitte ehrlich bei den Angaben“ – einen digitalen Zähler auf der Kampagnen-Website zu betätigen. Stolz verkündete er über seinen Telegram-Kanal, dass über 57.000 Menschen an der Aktion teilgenommen hätten. Diese Zahl erstaunt, da die Telegram-Gruppe zur Aktion nur 68 Mitglieder umfasst. Nach Einschätzung der in der Gruppe gesammelten Erlebnisberichte und Fotos dürfte es sich eher um 100-150 Teilnehmer*innen gehandelt haben. Die Aktionen fanden in Remagen, Sinzig, Ander­nach, Boppard, Köln-Rodenkirchen, Köln-West­hoven, Düsseldorf-Oberkassel, Düsseldorf-Benrath, Karlsruhe, Bad Bodendorf, Ludwigs­hafen-Rheingönheim, Urmitz, Meiningen, Monheim, Büderich, Bretzenheim und Heides­heim statt. Einige Teilnehmer*innen waren wohl mehrmals vor Ort. So wurden zum Beispiel beide „Walks“ in Köln von Johanne Liesegang veranstaltet. In Köln-Rodenkirchen waren mindestens zehn Personen anwesend und tanzten offenkundig im Kreis. Auch in Büderich gab es eine kleinere „Andacht“; eine größere Gruppe von ca. 60 Personen hielt am 4. Sep­tember eine ähnliche Zeremonie ab – sowohl in Bretzenheim als auch in Heidesheim. Diese Aktion wurde wahrscheinlich von den „Patrioten Ostthüringen“ rund um den auch bei der Ge­denkaktion anwesenden Frank Haußner organisiert. Die „Patrioten Ostthüringen“ sind ein extrem rechtes Netzwerk, das rund um Zeulenroda, Gera und Jena eine Scharnier­funktion zwischen der AfD, Corona-Leugner*innen, dem dortigen Pegida Ableger Thügida, dem Dritten Weg und weiteren militanten Neonazis (bis hinein ins Unter­stützungsnetzwerk des NSU) besetzt. Der „Walk am Rhein“ machte einmal mehr die Verschränkungen der extremen Rechten und Querdenker*innen deutlich. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies auch in dem jährlich stattfindenden „Totengedenken“ in Remagen (organisiert von „Die Rechte) zeigt. (dp)

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