7. Dezember 2021

Umgang mit Verschwörungserzählungen: Die Angebote Mobiler Beratung

Seit Beginn der Corona-Pandemie erhalten die Mobilen Beratungsteams sehr viele Anfragen von Personen, die im privaten Nahfeld (Familie, Freundeskreis) oder am Arbeitsplatz mit Verschwörungserzählungen konfrontiert sind und sich fragen, wie sie damit umgehen können. Im familiären Kontext steht oft die Sorge um involvierte Kinder im Vordergrund, etwa im Fall getrennt lebender Eltern. Darüber hinaus erreichen die Mobilen Beratungsteams Anfragen von Behörden, Lehrkräften, Erzieher*innen etc., die sich Hintergrundinformationen zum Thema wünschen sowie Beratung für den Umgang mit Verschwörungserzählungen und die Entwicklung von Strategien.

Die Mobilen Beratungsteams verfügen über Fachwissen zu Verschwörungserzählungen und verschwörungsgläubigen Akteur*innen in allen 16 Bundesländern. Auf Grundlage dieses aktuellen Wissens erarbeiten sie Workshops und Fortbildungen für Behörden und all jene Berufsgruppen, die sich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema wünschen. Darin behandeln die Teams u.a. die Ursachen und Funktionen von Verschwörungserzählungen sowie deren Bezüge zum Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

Darüber hinaus bieten die Mobilen Beratungsteams Beratung für alle an, die Unterstützung beim Umgang mit Verschwörungserzählungen benötigen – sei es im privaten oder im Arbeitskontext. Die Beratung richtet sich sowohl an Einzelpersonen als auch an Organisationen, Behörden, Vereine etc. Das Besondere am Angebot der Mobilen Beratung ist, dass die Teams einen sozialraum- und menschenrechtsorientierten Ansatz verfolgen. Das heißt: Verschwörungsglaube und die Herausforderungen der Beratungsnehmenden werden nicht allein als persönliche Probleme gerahmt, sondern eingebunden in Fragen gesellschaftlicher Diskurse und Machtverhältnisse. Damit eröffnen die Teams den Beratungsnehmenden erweiterte Perspektiven und Lösungsansätze. Die Teams unterstützen bei der Entwicklung individueller Handlungsstrategien, indem sie:

  • die Situation der betreffenden Person einordnen: Wie stark ist die Person in die Szene eingebunden (Sympathisant*in, Mitläufer*in Aktivist*in, …)? Wie erreichbar ist sie für Ansprachen und Interventionen? Befürwortet sie die Ausübung von Gewalt? Welche Funktion hat für sie der Glaube an Verschwörungserzählungen?
  • die Beratungsnehmenden stärken: Was ist der eigene Standpunkt? Was sind rote Linien? Welche Kommunikationsstrategie ist sinnvoll (z.B. Widersprüche in der Argumentation aufzeigen, gemeinsame Überprüfung von Quellen, Grenzen ziehen)? Welche Hilfesysteme gibt es vor Ort?

Mobile Beratung hat jedoch auch Grenzen – und zwar dann, wenn im Beratungsprozess komplexe psychosoziale oder juristische Fragestellungen aufkommen. In diesen Fällen werden Beratungsnehmende an Projekte oder Regelstrukturen in den Regionen verwiesen, mit denen die MBTs vernetzt sind. Die Teams unterstützen die Beratungsnehmenden dabei, ein für sie passendes Angebot zu finden. In einigen Bundesländern entstehen aktuell und teils in enger Kooperation mit anderen oder den eigenen Trägern spezialisierte Beratungsangebote, die solche Prozesse begleiten können. Diese Angebote entstehen in Kooperation und Absprache vor Ort, um konkrete Bedarfe in den Bundesländern zu bedienen und vorhandene Lücken in der Beratungslandschaft hinsichtlich psychosozialer Begleitung und Beratung zu schließen.¹

¹ Das sind etwa „MITMENSCH – Beratung bei Konflikten im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen“ bei demos – Brandenburgisches Institut für Gemeinwesenberatung oder „entschwört – Beratung zu Verschwörungsmythen im persönlichen Umfeld“ der pad gGmbH Berlin in Kooperation mit der MBR Berlin. In Hamburg bündelt die Landeskoordinierungsstelle die im Beratungsnetzwerk vorhandenen Angebote von Mobiler Beratung, Opfer- und Ausstiegsberatung sowie Antidiskriminierungsstelle, der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfrage und weiterer Angebote unter dem Label „Gegenverschwörung Hamburg“ und verweist Beratungsnehmende an die jeweils passgenaue Beratungsstelle.

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Zu den Kontaktdaten der Mobilen Beratungsteams bundesweit

Allgemein, BMB, Umgang mit Verschwörungserzählungen